Das Projekt Depot Deutweg von Conen Sigl Architekten in Winterthur ist ein bemerkenswertes Beispiel für nachhaltige Architektur, bei der die Wiederverwendung, d. h. die Wiederverwendung der vorhandenen Bausubstanz, im Vordergrund steht. Anstatt die alten Hallen des ehemaligen Busdepots abzureißen, setzten die Architekten auf eine sensible und respektvolle Weiterentwicklung der vorhandenen Bausubstanz. Drei denkmalgeschützte Gebäudeteile - die ursprüngliche Halle, das Verwaltungsgebäude und der Vorplatz - blieben erhalten und bilden das Rückgrat eines neuen Stadtteils mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.
Die bestehenden Strukturen der Hallen werden größtenteils übernommen, ihre Funktion bleibt erhalten und sie werden punktuell ergänzt. So werden durch Aufstockungen neue Volumen geschaffen, ohne den Charakter der ursprünglichen Industriearchitektur zu zerstören. Das Projekt versteht sich als ein "gebautes Palimpsest" - eine Schichtung verschiedener Epochen, Materialien und Nutzungen. Tragstrukturen, Dächer und Hauptbauelemente bleiben erhalten und werden neu interpretiert, z. B. für Wohnungen, Geschäftsräume oder kollektive Nutzungen.
Besonders bemerkenswert ist die städtebauliche Idee einer offenen Raumstruktur, die aus einem Platz, einer Halle und einem Garten besteht. Dadurch entstehen öffentliche und halböffentliche Räume mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, die soziale Interaktionen fördern und das Viertel beleben. Lokale Akteure - von der Fahrradwerkstatt bis zum Repair-Café - werden das Gelände besetzen und so ebenfalls zur nachhaltigen Entwicklung beitragen.
Das Projekt Depot Deutweg zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Wiederverwendung nicht nur ökologisch, sondern auch architektonisch und sozial sinnvoll eingesetzt werden kann. Durch die Wiederverwendung bestehender Strukturen werden nicht nur der Ressourcenverbrauch und die Baukosten gesenkt, sondern auch die Geschichte und die Atmosphäre bewahrt. In Kombination mit neuen architektonischen Elementen entsteht so ein lebendiger, identitätsstiftender Ort, der Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.