Krämeracker, Uster

Provisorisches Gebäude - Kantonsschule Uster

  • IV Schule

Das provisorische Gebäude der Kantonsschule Uster, das vom baubüro in situ geplant und realisiert wurde, ist ein frühes Beispiel für zirkuläres Bauen im Bildungsbereich. Als temporäre Lösung für den wachsenden Raumbedarf der Schule nutzt das Projekt systematisch das Potenzial des Re-Use - also der Wiederverwendung von bestehenden Bauelementen und Materialien. Die Hauptstruktur besteht aus modularen Containern, die ursprünglich an der Kantonsschule Im Lee in Winterthur verwendet wurden. Nach ihrer Demontage wurden sie überarbeitet, an die neuen Bedürfnisse angepasst und in Uster wieder aufgebaut. Die modulare Struktur wurde durch zahlreiche andere wiederverwendete Bauelemente ergänzt, darunter Fenster, Türen, Geländer, Leuchten, Fassadenbleche sowie Betonplatten aus dem Tunnelbau, die nun als Laubengänge dienen.

Das zentrale Element der Einrichtung ist die "Klimazone" - eine unbeheizte Holzveranda, die als Wärmepuffer, Kommunikationszone und Erholungsraum dient. Sie verleiht dem schlichten Modulbau nicht nur architektonische Qualität, sondern schafft auch räumliche Großzügigkeit. Die farbliche Gestaltung der Fassade aus wiederverwendeten Trapezblechen greift mit ihrem Streifenmuster die "Warming Stripes" auf und thematisiert damit bewusst den Klimawandel - auch visuell.

Das Projekt zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Nachhaltigkeit und Design kein Widerspruch sein müssen. Durch die Wiederverwendung von Bauelementen konnten rund 488 Tonnen CO₂ eingespart werden - ein erheblicher Beitrag zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks. Gleichzeitig stellte die Planung hohe Anforderungen an die Flexibilität, da viele Bauelemente erst im Zuge des Rückbaus endgültig verfügbar waren. Trotzdem blieb das Projekt im Rahmen der konventionellen Baukosten - ein Beweis dafür, dass die Wiederverwendung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Mit dem provisorischen Gebäude der Kantonsschule Uster ist es gelungen, eine ebenso pragmatische wie zukunftsorientierte Antwort auf temporäre Raumprobleme zu geben - und ein starkes Zeichen für eine ressourcenschonende Baukultur zu setzen.